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Ronny Meyer: Bauen nach dem Hot-Dog-Prinzip

„Wir müssen endlich große Brötchen backen“

Ronny Meyer

Interview mit Ronny Meyer über sein neues Buch „Bauen nach dem Hot-Dog-Prinzip“

Bauingenieur Ronny Meyer, den man als Fernseh-Bauleiter, Energiespar-Experte und Motivationstrainer kennt, hat gerade sein elftes Buch geschrieben: „Bauen nach dem Hot-Dog-Prinzip: Unser Abschied von Öl und Gas“. Wir wollten wissen: Braucht man wirklich nur ein Brötchen und ein Würstchen, um energiesparendes Bauen und Sanieren zu erklären?

Meyer: Ja. So wie das Hot-Dog-Brötchen die Wurst warm hält, so hält eine Wärmedämmung das Haus warm. Wir müssen uns nur einen Hot-Dog vorstellen und das Thema Energieeinsparung ist gegessen. Es geht ja nicht darum, jedem Bürger in Deutschland zu erklären, wie man Wärmebrücken berechnet. Auch muss kein Mensch verstehen, wie eine Wärmepumpe oder ein Sonnenkollektor funktioniert. Es reicht, wenn jeder weiß, dass es eine tolle Bautechnik gibt, mit der man richtig dick Energie sparen kann.

HäuserMagzin.de: Wenn das alles so einfach ist, warum haben wir dann eine komplizierte Energieeinsparverordnung und einen Energiepass, der jahrelang kontrovers diskutiert wird?

Meyer: Das frage ich mich auch. In meinem neuen Buch zeige ich zum Beispiel, dass wir den von der Energieeinsparverordnung geforderten Energieverbrauch locker halbieren können und dass etwa 80 Prozent aller Haushalte mit Grundschul-Mathematik ihren Energiepass selber berechnen können. Wir brauchen keinen Regulierungswahn, wir brauchen klare Fakten.

HäuserMagzin.de: Das klingt ja  so, als sei der offizielle Energiepass nicht der richtige Weg.

Meyer: Stimmt genau! Der offizielle Energiepass liegt quasi im Koma, weil sich dort inzwischen auch die Energiekonzerne einmischen. Und die leben vom Energie verkaufen und nicht vom Energie sparen. Ich will mir einfach nicht einreden lassen, dass man in Berlin ganze fünf Jahre für die Entwicklung eines Energiepasses braucht, dessen Kern die Formel ‚Energieverbrauch pro Quadratmeter Wohnfläche’ ist.

Ich bin jetzt einfach mal so frech und löse mich von den staatlichen Vorgaben und zeige am Beispiel eines Hot-Dogs, wie man energiesparend baut und saniert. Wärmeschutz funktioniert auch ohne EU-Richtlinie und Verordnungen. Wärmeschutz braucht nur eine wärmedämmende, luftdichte Gebäudehülle. Und da ist der Vergleich mit einem Hot-Dog-Brötchen einfach naheliegend.

HäuserMagzin.de: Ihr neues Buch ist ja nicht die erste Veröffentlichung in dieser Richtung. Sie haben vor fünf Jahren das Buch „EnergieEinsparHaus“ geschrieben, Energiespar-Fernsehsendungen gemacht und sogar eine Energiespar-Rockband auf die Beine gestellt.

Meyer: Energie sparen ist nicht langweilig. Im Gegenteil. Es macht sogar richtig Spaß, weil Energie sparen immer mit perfekter Bautechnik zusammenhängt. Da kann man richtig tolle Häuser bauen. Manche Kollegen sind aber irgendwie noch zu sehr verkniffen und auf dem totalen Technik-Trip. Deshalb hatte ich ja vor einem Jahr Angela Merkel auch meine Mitarbeit angeboten, damit mal ein bisschen frischer Wind durch die Amtsstuben weht.

HäuserMagzin.de: Aber sich gleich als Bundesbauminister zu bewerben, war doch etwas übertrieben? Das war doch wohl eher ein Scherz.

Meyer: Angela Merkel suchte nach der Bundestagswahl händeringend ein paar Minister. Nicht nur Edmund Stoiber war ihr gerade abhanden gekommen. Da hab ich einfach mal meine Unterlagen hingeschickt und zur Aufmunterung noch einen musikalischen Blues-Gruß mit unserer Botschaft beigelegt. Man muss sich ja als Bürger auch ein bisschen um seine Politiker kümmern: ‚Wär’ ich Bauminister, weißt Du was ich dann mache, Bauen wird in diesem Land endlich wieder Chefsache. Alle Menschen werden dann gnadenlos informiert, dass es Staatskohle gibt, wenn man wärmedämmend saniert.’

HäuserMagzin.de: Kam eine Antwort?

Meyer: Ja. Meine Original-Bewerbung und die sehr nette Antwort darauf sind im Buch auch abgedruckt. Angie hat Humor bewiesen. Dennoch sollten wir in der Sache ernst bleiben. Auch ohne Ministerposten werden jetzt die Menschen gnadenlos informiert, wie einfach es ist, Energie zu sparen und sich vor hohen Heizkosten-Nachzahlungen zu schützen – mit dem Hot-Dog-Buch, mit Vorträgen, mit Zeitungen, im Fernsehen und mit unserer Band „Ronny und die Bauarbeiter.“ In Abwandlung eines sehr gewagten Schröder-Zitats könnte man sagen: Ich brauche dafür nur BILD, BamS, Glotze und Rock’n’Roll.

HäuserMagzin.de: Ist das alles nicht eher die Aufgabe der Deutschen Energie-Agentur, der „dena“?

Meyer: Im Grunde schon. Aber die „dena“ kommt ja nicht so richtig in die Socken. Da jagen die Energiepreise nach oben und die Deutsche Energieagentur, die von der Bundesregierung beauftragt ist, Aufklärungskampagnen durchzuführen, ist in der Bevölkerung weitgehend unbekannt. Die bekommen das einfach nicht hin, bekannt zu werden. Bei meinen vielen Vorträgen, zu denen ja die am Energiesparen interessierten Bürger kommen, hat die „dena“ einen Bekanntheitsgrad von gerade mal 20 bis 25 Prozent. Da möchte ich gerne auch mit meiner Öffentlichkeitsarbeit den Kollegen der „dena“ ein bisschen unter die Arme greifen. Denn wir müssen jetzt endlich mal große Brötchen backen, bevor die Deutschen aufgrund brutaler Heizkosten-Explosionen noch weniger Geld in der Tasche haben.

Ich hätte nichts dagegen, wenn die „dena“-Mitarbeiter zum Beispiel als Energiespar-Chor bei einem meiner nächsten Rockkonzerte mit auf der Bühne stehen. Nach dem Motto „Die Fischer-Chöre waren gestern, die Aufmischer-Chöre sind heute.“ Ich bin sicher, am nächsten Tag kennt das ganze Land diese nette Energiespartruppe aus Berlin.

Vielleicht liegt die eher zurückhaltende Art der „dena“ auch daran, dass sich so mancher Energiekonzern hinter den Kulissen einbringt. Die Bundesingenieurkammer äußert auf ihrer Internetseite zum Beispiel den Wunsch, dass die „dena künftig als unabhängiger Energieberater arbeiten“ solle. Dem kann man sich anschließen.

HäuserMagzin.de: Neben den politischen Hintergründen zeigen Sie in Ihrem Buch mit vielen hundert Bildern alle Details, die man beim energiesparenden Bauen berücksichtigen muss.

Meyer: Ich möchte natürlich nicht den Beweis schuldig bleiben, dass der Bau von Energiesparhäusern machbar ist. Ich will auch zeigen, dass das alles Spaß macht. Denn es geht ja nicht nur um die Vermeidung von Wärmebrücken und die luftdichte Gebäudehülle. Man soll sich in so einem Hot-Dog-Haus auch pudelwohl fühlen. Deshalb habe ich neben Planungs- und Bautipps auch ein paar Vorschläge zusammengestellt, wie man Räume attraktiv gestaltet. Bis hin zu Außenputz und Außenanlagen ist das Hot-Dog-Prinzip ein vollständiges Baukonzept für modernes Bauen.

HäuserMagzin.de:Und die Kosten?

Meyer: Auch daran haben wir gedacht. Klar, hochwertiges Bauen kostet etwas mehr als ein Billig-Haus. Allerdings gibt es für unseren Hot-Dog stattliche Fördermittel. Wie man die übers Internet klarmacht, steht ebenfalls haarklein im Buch.

HäuserMagzin.de: Wie geht’s nun weiter?

Meyer: Im Januar 2007 kommt das Buch „Sanieren nach dem Hot-Dog-Prinzip.“ Wenig später starten wir eine Deutschlandtour durch etwa 15 Städte. Da mischen wir ein paar Stadthallen auf. Mir schweben richtige Energiespar-Events vor. Mit Musik, Lightshow, Nebel und jeder Menge Tipps. Wer da hingeht, soll am nächsten Tag im Büro schwärmen: „Man, da habt Ihr was verpasst ...!“

HäuserMagzin.de: Wird man Sie dann auch singen hören?

Meyer: Kann schon passieren, dass das Ganze etwas rockiger wird. Wichtig ist mir, dass wir die Menschen auch emotional erreichen. Mit dem Ziel, dass die deutschen Haushalte nicht mehr den Energie-Konzernen das sauer verdiente Geld hinterherwerfen. So eine kleine Energiespar-Revolution, das wäre scharf. Und wenn wir dabei auch ein paar Gitarrenverstärker bis zum Anschlag aufdrehen, gehen die Energie-Konzerne ja auch nicht ganz leer aus. Diese Stromrechnung bezahle ich gerne.

HäuserMagzin.de: Herr Meyer wir danken für das Gespräch.

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