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Ronny Meyer: Bauen nach dem Hot-Dog-Prinzip

Bauen nach dem Hot-Dog-Prinzip:
Planungsregeln für energiesparendes Bauen

Ronny MeyerDer Darmstädter Bau-Ingenieur und TV-Moderator Ronny Meyer zeigt in seinem neuen Buch „Bauen nach dem Hot-Dog-Prinzip“ wie einfach energie­effizientes Bauen ist. Wir stellen Ihnen heute aus diesem Buch die Planungsregeln für Energiesparhäuser vor.

Die wichtigste Anforderung bezieht sich sinnvoller Weise auf den Energieverbrauch des geplanten Hauses. Während die Energieeinsparverordnung das 10-Liter-Haus fordert, peilt Ronny Meyer mutig das 4-Liter-Haus an. Oder bautechnisch ausgedrückt: „Der Jahres-Primärenergiebedarf sollte bei maximal 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter beheizte Wohn- und Nutzfläche (kWh/m²a) liegen.“ Der Grund dafür liegt aber nicht nur in der Energieeinsparung selbst: „Wer die 40 kWh/(m²a) nicht übersteigt, hat als Bauherr Anspruch auf 50.000 Euro zinsverbilligtes Baugeld der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). So wird das Gebäude zum Super-Energiesparer, der vom ersten Tag an wirtschaftlich ist.“

Kompakte Gebäudeform

Bereits die Gebäudeform ist maßgeblich für den Energieverbrauch verantwortlich. Kompakte Häuser sind – trotz gleichen Volumens – sparsamer im Heizwärmeverbrauch als verwinkelte Gebäude mit Gauben und Erkern. Im Buch „Bauen nach dem Hot-Dog-Prinzip“ ist zu lesen:

Ein Haus mit vielen Erkern und Gauben hat – bezogen auf das Gebäudevolumen – eine recht große „wärmeübertragende Oberfläche“. Wer das Verhältnis der Oberfläche zum Gebäudevolumen (Fachjargon „A/V-Verhältnis“) jedoch minimiert und auf diese Weise eine kompakte Gebäudeform schafft, trägt bereits viel zur Energiekosteneinsparung bei. Denn genau die Wärmemenge, die über die Gebäudehülle verloren geht, muss man dem Haus durch Heizen wieder „zurückgeben“, damit die Räume nicht auskühlen. Ist die Oberfläche der Gebäudehülle kleiner, geht weniger Energie verloren.

Weiterhin müssen die Planer solche Konstruktionen schaffen, die weitgehend wärmebrückenfrei und absolut fugenlos sind. Das klingt aufwendig, ist es aber nicht. Denn weil die Gebäudehülle nur aus wenigen Bauteilen besteht (Fassade, Dach, Fenster, Bodenplatte), ist die Aufgabenstellung sehr übersichtlich.

Nun können jedoch unvorhergesehene Energieverluste – beispielsweise durch kleinste Fehler bei der Ausführung wie etwa Undichtigkeiten im Dach – die berechneten Energiesparwerte eine Hauses zunichte machen. Wichtig ist also, das Gebäude nicht nur sorgfältig zu planen, sondern auch genauso sorgfältig zu bauen. Deswegen dürfen beim Bau nur gut ausgebildete Fachleute ran. Bitte keine Billig-Bautrupps anheuern, die aus der Prärie dahergaloppiert kommen und einem irgendetwas vom Pferd erzählen.“

Das Haus zur Sonne öffnen

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Planung von Energiesparhäusern ist die Ausrichtung des Hauses zur Sonne. Dazu schreibt Ronny Meyer: Die Bautechnik ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass es nicht mehr „die typische“ Energiespar-Architektur mit Pultdach gibt. Dennoch muss man nach wie vor eine große Fensterfläche nach Süden einplanen (und natürlich wenig Glas nach Norden). Dann kann die tiefstehende Wintersonne horizontal ins Gebäude hineinstrahlen und das Haus mit kostenloser Wärme versorgen. Interessant: Im Wärmeschutznachweis eines Hauses gehen die nach Süden ausgerichteten Fensterflächen aufgrund der Wärmegewinne positiv in die Bilanz ein, Fenster nach Norden negativ (sie bewirken nur Wärmeverluste).

Übrigens: Optimal ist eine Dreifachverglasung. Die Mehrkosten dafür halten sich in Grenzen, der Energiespareffekt ist deutlich spürbar. Und wenn wir uns schon Gedanken über die Fenster machen, dürfen wir die Haustür nicht vergessen. Hot-Dog-Häuser haben einen Windfang. Denn: Die Haustür ist eine große Schwachstelle – wärmetechnisch gesehen. Da man mehrmals am Tag die Haustür öffnet, strömt im Herbst, im ­Winter und an kalten Frühjahrstagen kühle Luft ins Haus. Um diesen Effekt zu reduzieren, plant man einen Windfang ein.

Wärmepumpe und Photovoltaik

Zur Haustechnik schreibt der Darmstädter Energiespar-Experte: Die Haustechnik besteht beim „Hot-Dog“ aus einer Wärmepumpe mit kontrollierter Lüftung. Betrieben wird das Ganze mit Strom. Wer will, kann auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage installieren, die genauso viel Strom liefert, wie das Haus in der Jahresbilanz verbraucht. Ronny Meyer weist in seinem Buch darauf hin, dass man sich den Betriebsstrom für die Haustechnische Anlage aus dem öffentlichen Netz holt und den Sonnenstrom dort einspeist. Dann ist das Haus im „Energiegleichgewicht“ und man beteiligt sich nicht mehr an der klimabelastenden Umweltverschmutzung.

Das „A/V-Verhältnis“

Einem Haus muss man immer nur genau die Wärmemenge hinzufügen, die durch die Gebäudehülle verloren geht. Es kommt also auf Wände, Fenster, Dach und Dämmstoffe an, die von höchster Qualität sein müssen. Aber auch beste Fenster und Fassaden verlieren Energie. Wenig zwar, aber trotzdem mehr als gar nichts. Wichtig ist deshalb, die wärmeübertragende Oberfläche von Häusern (in Berechnungen gekennzeichnet mit dem Buchstaben „A“) zu reduzieren. Dann wird das Verhältnis zum beheizten Gebäudevolumen („V“) optimal. Planungsziel sollte ein möglichst quadratischer Grundriss ohne Erker und Balkone mit einem Dach ohne Gauben sein. Fachleute sprechen dann von einem günstigen „A/V-Verhältnis“ („A-zu-V-Verhältnis“).

(Ronny Meyer)

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